Marcia Breuer

pretty please, could you dance for me, 2003-2005

Fotobuchobjekt

Info / Auszeichnungen & Presse

Das Buch “pretty please, could you dance for me” ist der Versuch einer vertieften Darstellung der im allgemeinen hermetisch von den Blicken der Öffentlichkeit abgeschirmten Lebenswelt der Balletttänzer am Theater.

Durch meine vorangegangene Tätigkeit als professionelle Tänzerin bin ich der so speziellen und eigenen Sphäre des Theaters sehr verbunden. In der Zusammenführung dieser emotionalen Nähe sowie der durch die Zeit fern der Bühne gewonnenen Objektivität, sah ich die Möglichkeit zu einer sachkundigen, tiefen und dennoch differenzierten Betrachtung des Berufes Bühnentänzer.
Meine Intention für “pretty please, could you dance for me” lag darin, der im Allgemeingut verankerten romantischen Klischeevorstellung des Tänzerberufes in der Realität auf die Spur zu kommen, sie zu erforschen, zu dokumentieren und schließlich darüber hinaus zu blicken.
Das tatsächlich gelebte Klischee im selbsterwählten goldenen Käfig der Räumlichkeit des Theaters birgt ernüchternde Banalitäten und Routinen ebenso wie kraftvolle und tiefe Leidenschaften, denen eine gesteigerte Artikulation gebührt.

Essentieller Wesenszug des Buches ist die Zusammenführung von eigenständigem Bildteil, Textteil und räumlicher Buchgestaltung zu einer in sich geschlossenen Einheit.
Die im Bildteil enthaltenen Farbfotografien zeigen den Arbeitsalltag der Tänzerinnen und Tänzer des Stuttgarter Balletts.
Der Textteil umfasst Gedichte, Zeichnungen und Texte der abgebildeten Tänzer, der Ballettintendanz, verschiedener in Stuttgart arbeitender Choreographen sowie eigene Gedanken und Beobachtungen.

Die Spezifik der Buchgestaltung liegt in der Verarbeitung des Buches als geschlossenes Leporello. An Stelle einzelner Seiten liegt ein 13 Meter langer, mehrfach gefalteter Papierstreifen vor. Die zwei Enden des beidseitig bedruckten Papierstreifens sind jeweils am Buchdeckel befestigt. Hierdurch ergibt sich ein Innen- und ein Außenraum.
Schlägt man das Buch auf, so hat man auf den nach außen gewandten Seiten zunächst den Textteil vor sich. Der im Inneren des Buches verborgene Bildteil kommt erst zum Vorschein, wenn man das Leporello auffächert.
Dem Betrachter wird durch die gegebene materielle Räumlichkeit die Möglichkeit des interaktiven Umgangs mit der Architektur des Buches geboten. Er kann das Buch umstülpen und hiermit das Innen zum Außen werden lassen, er kann das Buch als Rund im Raum aufstellen oder auch in den sich öffnenden Innenraum des Buches hineinsteigen.

Stiftung Buchkunst – Förderpreis für junge Buchgestalter 2005
„Ein Buchobjekt als geschlossenes Leporello im Schuber. Während die äußere, als Buch lesbare Textebene sich konventionell erschließt, bleiben die Bilder weitgehend verborgen. Sie entfalten sich – im Wortsinn – dann, wenn das Objekt im Raum aufgestellt und der Tanz-Raum eröffnet ist.“

Auswahltitel des Dt. Fotobuchpreises 2005


ballettanz, Juni 2006 – Hartmut Regitz
„pretty please, could you dance for me – bevor Marcia Breuer diese Frage stellen kann, muss man erst einmal Platz schaffen für eines der „bewegendsten“ Bücher der letzten Zeit.
Ganze dreizehn Meter lang ist das Leporello. Schlägt man allein die 53 Außenseiten des Buchs auf, stößt man auf Aussagen von Reid Anderson, Bridget Breiner, Robert Conn, Eric Gauthier, Marco Goecke, Yseult Lendvai, Christian Spuck – prosaische oder poetische Texte, die ahnen lassen, was den Tanz zusammenhält. Gibt man dem Buch den ganzen Raum und fächert es auf, sieht man das Stuttgarter Ballett aus seinem geistigen Zentrum heraus, umschlossen von ein paar Fotos, die die intimsten Momente der Kunst fokussieren. Jahrelang war Marcia Breuer Mitglied des Stuttgarter Ballett. Diese Vertrautheit ist dem Buch durchweg anzumerken. Ihre Bilder lassen tief blicken. Sie gehen unter die Haut. Und bringen das Buch zum Tanzen. Kein Wunder, dass das Buch von der Stiftung Buchkunst mit einem Förderpreis ausgezeichnet wurde und auf der Auswahlliste des Deutschen Fotobuchpreises steht.“

Dancemagazine, Februar 2007
Marcia Breuer, a former dancer, spent seven months photographing the Stultgart Ballet. In addition to capturing candid images of the company at work and behind the scenes, Breuer asked the dancers, management, and choreographers to describe their relationship with dance in words. Some wrote in English and most wrote some form of poetry. Breuer then compiled everything into a “book-object” called pretty please, could you dance for me. All of the pages are attached at the edge, with the first and last fixed to the cover so when it’s opened all the way it forms a circle. Photos are on the inside and words are on the outside. It’s like installation art in your own living room.

Bildmaterial (Auswahl)